Wege der Integration von Asylsuchenden und Wirtschaftsmigranten und deren Grenzen

Veröffentlicht am 04.10.2016 in AG 60plus

Am 27. September trafen sich die Ostalb-Senioren der SPD im Albert-Schweizer-Haus in Unterkochen, um sich von Pfarrer Manfred Metzger, Islambeauftragter des evangelischen Kirchenbezirks und Koordinator des Christlich-islamischen Diskussionskreises Aalen über diese Arbeit informieren zu lassen.

 

Zentrales Ziel sei ein friedvolles Miteinander aller Glaubensrichtungen, Toleranz und die Bekämpfung jeder Form von Gewalttaten, die im Namen fundamentalistischer Glaubensvorstellungen verübt werden. Dabei warnte Pfarrer Metzger entschieden davor, Muslimen mit Generalverdacht zu begegnen und so Mißtrauen und die Verfestigung  konservativer Fixierungen oder sogar islamistische Einstellungen zu bewirken. So höre er bei seiner Verständigungsarbeit zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen immer wieder von Vorwürfen an muslimische Dialogpartner:

„Was machst Du mit dem Pfarrer rum“? Der Referent legte seinen Vortrag breit an, erzählte vom Leben Mohammeds, den verschiedenen Moslemglaubensrichtungen in ihrer geschichtlichen Entstehung und den heutigen Problemen, welche die Weltpolitik und auch das Miteinander bei uns damit haben. Der zentrale Satz dabei war, dass für die Muslime der Koran das sichere, unbezweifelbare Wort Gottes enthalte. D. h. eine Bibelkritik im Sinne etwa von Hans Küng ist nicht vorgesehen. Auf der anderen Seite werden von manchen Moslemgruppen vorislamische Sitten oder auch regionale Einstellungen einfach mit dem Islam verknüpft und damit scheinbar glaubenssicher gemacht. Hierarchische Familienstrukturen, in der die Männer herrschen und die Ehen bestimmen, frauenverachtende Bekleidungsvorschriften seien so zu erklären. Im Koran angelegt ist nur die Vorschrift, dass eine Frau in der Öffentlichkeit ihre Haare verhüllen soll. Burka und Nihab, die nur noch die Augenschlitze einer Frau zeigen, seien erst vor 200 Jahren entstanden. Kritik an solchen zum demokratischen Zeitalter nicht passenden Zwängen nähmen  die Moslems oft „sehr ungut“ auf, Türken wie Araber seien sehr stolz. Oft fehle es an Bildung und demokratischer Erziehung, die auch bei uns noch nicht so lange Tradition sei. Die Hoffnung auf Änderung sieht Pfarrer Metzger etwa in Mischehen zwischen Christen und Moslems, hier könnten verfestigte fundamentalistische Einstellungen aufgebrochen werden, wie dies ja auch bei uns nach den Kriegsvertreibungen durch viele Ehen zwischen evangelischen und katholischen Christen geschehen ist. Entschieden sprach sich der Vortragende für die Beibehaltung der zwei Pässe für die hier geborenen Türken der meist dritten Generation aus. Deren Frage „Wer bin ich?“ schaffe oft eine positive Auseinandersetzung mit dem Herkunftsland und dem gegenwärtigen Wohnumfeld. Im Wesentlichen komme es auf Bildung und Berufsausbildung aller jungen Menschen mit Migrationshintergrund an.

Eine lebhafte, ja heftige Diskussion der vielen Besucher schloss sich an. Ute Hommel stellte fest, „dass Integration um so länger dauert, je weiter auseinander die Positionen liegen. Wenn dann der Ehepartner in jeder Generation neu aus Anatolien kommt, verfestigt sich die Situation und dauert Integration noch länger“. Entschieden sprach sie sich für einen geduldigen Dialog aus. Sie lobte die Stadt Aalen für ihren Weg durch städtische Angestellte bei muslimischen Eltern für eine Ausbildung ihrer Kinder zu werben.

Heinrich Solterer kritisierte, dass „die Politik die Integration bei der ersten Einwandergeneration der Türken verschlafen hat.“ Dies dürfe bei der großen Zahl syrischer Asylbewerber nicht noch mal passieren. Er forderte, dass die Ditib-Organisation der Türken sich endlich von der Gängelei durch den türkischen Staat lösen müsse. Alle Anwesenden wollten in Analogie zum ökumenischem Christentum einen Euroislam mit ebenfalls historisch kritischer Einstellung und dem weiteren Ausbau der deutschen Ausbildung von Imanen und muslimischen Religionslehrern. Frank Haenschke forderte, „das Thema tiefer in unserer Partei zu verankern, türkisch stämmige Genossen gezielt zur Diskussion einzuladen“.

Rolf Voigt verlangte Differenzierungen beim Analysieren des Integrationserfolgs. So verwies er auf „türkisch stämmige Stadträte, die es in der SPD in der Region bereits gibt“, dass „die Jusos mit einer Exkursion in die Türkei Gesprächskontakte gefunden haben. Den Türken gibt es so wenig wie den Deutschen, war dabei die Erfahrung. Helga Katein-Haug verlangte den Zugang von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt zu verbessern. Fatal sei, dass eine ihr bekannte Mutter von zwei Kindern nach 6 Jahren Aufenthalt in ungesichertem Aufenthaltsstatus immer noch keine Ausbildung machen könne. Einig waren sich die Anwesenden darin, deshalb gegen CDU-Widerstand ein schlüssiges Einwanderungsgesetz  im Bundestag durchzusetzen. Die 1. Vors. Marga Elser nahm alle Anregungen auf, dankte den Ostalbsenioren der SPD für ihr Kommen, insbes. Pfarrer Metzger für seinen Vortrag und Heinrich Solterer, der diese Veranstaltung angeregt und mitorganisiert hat. Sie versprach: „Wir bleiben am Thema dran, besuchen im Frühjahr das Lea in Ellwangen“.


Verfasser Karl Hermann Koschorreck

 

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